Berufliche Motivation als Karriere-Booster

Karriere-Tipp Guido Lysk Berufliche MotivationWarum die eigene Motivation über Freud und Leid im Job (mit-)entscheidet

Vielleicht haben Sie es schon erlebt: Gerade im Vorstellungsgespräch taucht gerne diese vermeintlich einfache Frage nach der persönlichen beruflichen Motivation auf. Klar, kein Problem. Das ist schnell beantwortet! Jeder weiß doch, was ihn im Job motiviert.

Ist das wirklich so? Was genau motiviert mich im Job? Vor allem, warum ist es so wichtig diese zu kennen?

Was ist überhaupt berufliche Motivation?

Per Definition beschreibt Motivation sämtliche Beweggründe, eine gewisse Handlung auszuführen. Sie ist der Treiber für jedwedes Engagement, welches von Herzen und mit viel Freude betrieben wird. Die berufliche Motivation funktioniert nach dem gleichen Prinzip. „Erfüllen mich die Aufgaben, die ich im Job zu erledigen habe, bin ich zufrieden“. Das würde jeder so unterschreiben. Jeder von uns strebt nach gewissen Zielen, die auf unterschiedlichen Motiven basieren. Dazu gehören unter anderem „Status und Anerkennung“, „Besondere Herausforderung“ oder auch „Kreativität“.

Beispiel zum Motiv „besondere Herausforderung“:
Nicht selten kommt es vor, dass Unternehmen das Thema „innovatives BGM“ auf kleiner Flamme fahren. Die Geschäftsführung hält es für ausreichend, die gestellten Anforderungen des ASiG  zu bedienen und die Maßnahmen auf die Untersuchungsmedizin zu beschränken. Sämtliche Versuche, die Geschäftsführung von dem Nutzen eines innovativen BGM zu überzeugen, sind bisher gescheitert.

Nun gibt es verschiedene Arten, als Arbeitsmediziner darauf zu reagieren. Der eine Arzt denkt sich:

„Wenn das in der Vergangenheit immer schon so gehandhabt wurde, sieht die Zukunft finster aus. Hier ist ein sehr dickes Brett zu bohren. Das möchte ich nicht. Niemals werde ich als Arbeitsmediziner in solch ein Unternehmen wechseln. Das tue ich mir nicht an.“

Dieser Person liegt es überhaupt nicht, sich auf Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von neuen Maßnahmen im BGM einzulassen. Konflikten geht sie lieber aus dem Weg. Hier handelt es sich um jemanden, dessen Motivlage sich fernab der „besonderen Herausforderung“ bewegt. Ihn triggert viel mehr die fachliche Expertise. Fachlich ist er unglaublich stark in seinem Bereich. Aber die Geschäftsführung für seine Themen erst einmal überzeugen und gewinnen zu müssen, ist ihm viel zu groß. Davor hat er riesigen Respekt und gleichzeitig Angst vorm Scheitern.

Bei seinem Kollegen fällt die Reaktion völlig anders aus. Dieser sieht im ablehnenden Verhalten und in der Sichtweise der Geschäftsführung vielmehr eine inspirierende und reizvolle Herausforderung, die er mit Begeisterung annimmt.

Er denkt sich:
„Oh super. Diese Nuss werde ich knacken und ich habe viele Ideen, wie ich die Geschäftsleitung überzeugen kann. Hier schlummert so viel Potenzial, welches gehoben werden will und nur auf mich wartet dies zu tun“.

Eine derart gelagerte Herausforderung reizt diese Persönlichkeit vielmehr, als dass es sie abschreckt. Ganz im Gegenteil. Sie freut sich auf die Aufgabe, die sie beharrlich und Stück für Stück weiterentwickeln möchte.

Ganz wichtig an dieser Stelle: Beide Neigungen sind weder als gut oder schlecht zu bewerten. Darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr darum zu verdeutlichen, dass es eine Vielzahl an verschiedenen beruflichen Motiven gibt.

Der Karriereanker von Edgar Schein als Basismodell

Edgar Schein ist US-amerikanischer Professor emeritus für Organisationspsychologie und Management am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge, USA. Er entwickelte für den US-Markt das Modell des Karriereankers und identifizierte damals insgesamt acht Motive. Hinter diesem Modell verbirgt sich die Theorie des Selbstkonzepts. Laut Schein besteht das Selbstkonzept aus verschiedenen Faktoren. Dazu gehören die jeweiligen Fähigkeiten, Kompetenzen, Stärken und Schwächen einer Person, ihre Beweggründe und Ziele sowie ihr Werteverständnis. Hierin eingeschlossen sind die beruflichen Motive. Dieses Selbstkonzept gilt als persönliches Leitsystem und wirkt zudem wie ein Anker, der stabil und konsequent zurück auf den richtigen Kurs lenkt. Schein war der Meinung, dass die Kenntnis über seinen persönlichen Karriereanker zu einer erfolgreichen und glücklichen Karriere verhilft.

Das Wissen über die beruflichen Motivation seiner Mitarbeiter ist auch für die Führungskraft von enormem Vorteil. Je nach Neigung und Tendenzen können Aufgaben im Team der am besten passenden Stelle zugeteilt werden.

Berufliche Motive sind in der Persönlichkeit angelegt

CNT hat das Modell von Schein zugrunde gelegt und auf den europäischen Kulturkreis übertragen. In dem Zuge wurde die Methode auf die heutige Zeit angepasst, weiterentwickelt und komplettiert. Nach dem Modell der CapTain Potenzialanalyse spricht man von 14 Motiven, die bei jedem Menschen individuell gerankt sind. Jede Person hat ihre ureigene höchstpersönliche Motivstruktur. Zu diesen 14 Motiven gehören:

  • Macht und Einfluss
  • Besondere Herausforderungen
  • Dienstleistungsorientierung
  • Fachliche Expertise
  • Hohes Einkommen
  • Sicherheit
  • Verantwortung
  • Selbständigkeit
  • Identifikation mit dem Unternehmen
  • Mitarbeiterführung
  • Kreativität
  • Status & Anerkennung
  • Verkaufen
  • Privatleben

Hinter allen Motiven verbergen sich verschiedene Eigenschaften und Präferenzen. Sogar der „Privatbereich“ gehört zu den beruflichen Motiven. Wie viel Wert lege ich auf mein Privatleben und wie viel Platz möchte ich ihm einräumen? Was im Umkehrschluss nicht heißt, dass ich arbeitsscheu oder wenig engagiert bin bei dem, was ich tue. Mein berufliches Motiv lautet an dieser Stelle: „Mein mir wichtiges Privatleben“. Es gibt Jobs, die lassen eine ausgewogene Work-Life Balance zu, andere wiederum tun das nicht und erfordern stattdessen eine hohe zeitliche Flexibilität. Es ist also sehr wichtig, seine Motive und damit seinen Karriereanker zu kennen.  Persönlicher Karriereanker als Leitmotiv.

Jeder Mensch hat seine individuelle Skala
Da jede Person über ihr eigenes individuelles Ranking verfügt, sollte sie für sich schauen, welche Motive am höchsten ausgeprägt sind. Denn wer seinen persönlichen Karriereanker längerfristig ignoriert, wird über kurz oder lang unzufrieden in seinem Job werden und im schlimmsten Fall erkranken. Daraus resultierend steigt die Chance, dass sich der Wunsch nach einem Wechsel zunehmend verfestigt.

Schein ist der Meinung, dass mindestens zwei meiner Top Motive durch den Job erfüllt sein sollten. In dem Moment hält mich mein Karriere-Anker fest und ich kann weitere Unwägbarkeiten problemlos wegstecken. Veränderungen im Unternehmen, wie zum Beispiel eine Umstrukturierung sind häufig Verursacher solcher neuen, individuellen Stresssituationen. Fallen meine Motive, sprich mein Karriere-Anker weg, werde ich das Unternehmen allerdings über kurz oder lang verlassen.

CAPTain-Modell identifiziert persönlichen Motive.
Die wenigsten Menschen kennen ihre persönlichen beruflichen Motive. Sie können diese zwar erahnen, aber nicht mit prozentiger Sicherheit belegen. Es lohnt sich aber durchaus, verlässliche Kenntnis über die vor allem am stärksten ausgeprägten Motive zu gewinnen.  Mit dem CAPTain Modell werden die persönlichen Motive sichtbar und das jeweilige Ranking herausgearbeitet. Am Ende kommen hochinteressante Erkenntnisse dabei heraus, die eine wertvolle Hilfestellung bei zukünftigen Entscheidungen auf dem eigenen Karriereweg geben.

Fazit
Die Kenntnis über seine persönlichen beruflichen Motive ist höchst wertvoll für ein glückliches und erfolgreiches Berufsleben. Sie geben Orientierung und sorgen für Klarheit über die eigenen Präferenzen und Stärken. Bei der Auswahl eines neuen Arbeitsplatzes wird plötzlich auf die eigenen Motive geachtet und ob sie im Aufgabengebiet wirklich gegeben sind.

Darüber hinaus leistet diese Kenntnis auch der Führungskraft eine große Hilfestellung. Verfügt sie über Einblicke in die individuellen Motivlagen ihrer Teammitglieder, ist sie in der Lage, ihren Mitarbeiter passende Aufgaben zu geben. Dadurch fördert sie die Motivation und damit auch die Produktivität. Gleichzeitig reduziert sie die Gefahr, ihre Kollegen zu demotivieren.

Neugierig geworden?
Wenn Sie Ihre persönlichen Motive kennenlernen möchten, dann laden wir Sie hier herzlich zu unserer Sprechstunde ein.