Spannungsfeld Arbeitsmediziner – Unternehmen

Unternehmen verkennen oftmals das Potenzial ihrer Ärzte

Das Thema Gesundheitsmanagement hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Demzufolge ist der Bedarf an Arbeitsmedizinern und Betriebsärzten in den Unternehmen Jahren massiv angestiegen. Auch die Aufgaben und Funktionen haben sich stark verändert. Der Mediziner ist zum Manager geworden.

Nichts desto trotz sind nicht selten Dissonanzen zwischen dem Management und den Medizinern spürbar. Sie verfolgen zwar beide die gleichen Interessen und Ziele, allerdings ist dem jeweiligen Gegenüber die Vorgehensweise oftmals nicht klar bzw. sein Tun nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen ist betriebswirtschaftlich getrieben, der Arzt stellt die Gesundheit der Mitarbeiter in den Fokus.

Bei näherer Betrachtung stellt  dies allerdings keinen Gegensatz dar. Wachstum, Effizienz und Gewinnmaximierung stehen mit Gesundheitsschutz und Prävention nicht zwingend im Gegensatz zueinander. Ganz im Gegenteil, langfristig gesehen, kann das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) sogar einen großen wirtschaftlicher Nutzen bringen. Um einen profitablen Zustand zu erreichen, sind allerdings, wie immer,  Zeit und Investitionen notwendig.

Als Personalberater haben wir naturgemäß immer mit beiden Seiten zu tun. Für die Besetzung jeder vakanten Position führen wir intensive Gespräche mit Ärzten und Unternehmenslenkern.

Wir kommen dabei immer wieder zur gleichen Erkenntnis:  Beide Parteien müssen stärker aufeinander zugehen und  voneinander lernen. Sie müssen ein größeres Verständnis für die jeweiligen Interessen aufbauen.

Ärzte müssen verstehen, dass

  • sie Teil eines Teams und keine Einzelkämpfer sind. Auch reicht es nicht aus, einfach nur Arbeitsmediziner zu sein. Sie sind häufig gleichzeitig auch Manager, Projektleiter, Berater, Stratege oder einfach nur Kollege.
  • Loyalität einen wichtigen Aspekt darstellt
  • das betriebswirtschaftliche Interesse die Grundpfeiler der Existenz darstellen und sie diesen Aspekt bei der Argumentation für das Durchsetzen von Gesundheitsprojekten nicht aus den Augen verlieren dürfen.
  • sie dafür ein größeres Interesse entwickeln und Kenntnisse aufbauen sollten.

Unternehmen müssen verstehen, dass

  • Präventionsmaßnahmen mittel- bis langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen werden und ein wichtiger Baustein für die Ertragssicherung ist.
  • sie dem Arzt stärker vertrauen müssen und ihm die notwendige Zeit für seine Maßnahmen geben müssen.
  • Arbeitsmediziner anders ticken als BWLer und immer in erster Linie das Gesundheitswohl der Mitarbeiter im Auge haben und dabei im Spannungsfeld der betriebswirtschaftlichen und gesundheitlichen Interessen steht.
  • sie die Fähigkeiten der Arbeitsmediziner erkennen und diese oftmals erst ins System „Unternehmen“ integrieren müssen.

 

Fazit:

Unseres Erachtens, wäre ein sinnvoller Schritt in Richtung Integration ins Unternehmen z.B. die Organisation einer fundierten Einarbeitung der Arbeitsmediziner. Hier lernen sie sämtlicher Bereiche des Unternehmens umfänglich kennen und gewinnen Einblicke über Arbeitsanforderungen und Prozesse der Arbeitnehmer Workflows. Zudem könnte es auch „Paten“ geben, die dem jeweiligen neuen Kollegen in der Einarbeitungsphase zur Seite stehen.

Dem Arbeitsmediziner  hingegen sei geraten, in den ersten Monaten in erster Line zu beobachten, viele Fragen zu stellen aber niemals zu bewerten. Zumindest solange ihm noch der generelle Überblick fehlt.